Über die Zuverlässigkeit der Informationen
in AI-Eilaktionen


Eine Stellungnahme zu Problemen beim Faxversand von Petitionsbriefen


"Die unter den von ai publizierten Nummern versandten Faxbriefe erreichen oftmals nicht den gewünschten Empfänger. Warum verbreitet ai falsche Faxnummern?"

Immer wieder wird die Vermutung geäußert, die Faxnummern wären falsch. Dazu muss festgehalten werden, dass eine falsche Nummer selbstverständlich immer möglich ist, schon allein durch Tippfehler der ÜbermittlerInnen. In aller Regel sind fehlerhafte Angaben aber die Ausnahme. Die Faxnummern stammen von der Urgent-Action-Abteilung der Bonner AI-Sektion, die sie wiederum von der Londoner AI-Zentrale übernimmt. Die dortigen MitarbeiterInnen erfahren sie über die nationalen AI-Sektionen oder direkt von engagierten Menschenrechtlern vor Ort. Wir alle müssen auf die Zuverlässigkeit der Informationen vertrauen, was ja nicht nur die Faxnummern betrifft, sondern vor allem den Wahrheitsgehalt der Menschenrechtsverletzungen, über die uns berichtet wird. Es ist mir leider absolut unmöglich, diese Informationen zu überprüfen, sondern ich muss mich hundertprozentig darauf verlassen.

Manchmal erreichen uns Proteste der Angeschriebenen, z.B. über deren Botschaften, in denen die Tatsachen schlichtweg bestritten werden. Aber ich kann Ihnen mitteilen, dass ich mich angesichts meiner rund 20-jährigen AI-Mitgliedschaft an keinen einzigen Fall erinnern kann, in dem die AI-Angaben nicht zutreffend waren, jedenfalls im Kern; es wird ja oftmals - bei unsicheren Quellen - sehr vorsichtig formuliert! Und schließlich: Wer massiv Menschenrechte verletzt, unter Umständen sogar Kapitalverbrechen begeht oder diese deckt, wird auch vor Verdrehungen der Tatsachen oder Lügen nicht zurückschrecken. Insofern vertraue ich lieber AI als solchen Leuten.

Wenn der Versand nicht klappt, liegt das meist an Problemen auf dem langen Übertragungsweg oder an dem unzulänglichen Fernmeldenetz im Empfängerland selbst. Letzteres trifft zum Beispiel besonders auf Kolumbien zu. Bedenken Sie bitte, wieviel Zwischenstationen reibungslos funktionieren müssen, um z.B. in entlegene Regionen von Indonesien zu faxen! Die Analogverbindungen per Telefon sind gegen Störungen relativ unempfindlich. Das sieht aber ganz anders aus, wenn die Faxgeräte sich abstimmen sollen. Man muss auch damit rechnen, dass Länder der Dritten Welt alte, möglicherweise bereits inkompatible Faxgeräte benutzen. Weitere Gründe können sein: die Zeitverschiebung; die Geräte werden oftmals abgeschaltet, wenn es am Zielort Nacht ist. Oder Feiertage: Bekanntlich entspricht im Islam der Freitag unserem Sonntag; in Israel wird samstags nicht gearbeitet. Ein Empfänger, der schon häufiger mit Petitionen eingedeckt worden ist, kann natürlich sein Faxgerät auch einfach kurzfristig auf eine andere Nummer legen, ohne dass ai davon erfährt. Manchmal handelt es sich um kombinierte Telefon-/Fax-Geräte und die angefaxten BedienerInnen schaffen es einfach nicht, auf Faxempfang umzuschalten, d.h. die Starttaste zu drücken, wenn sie das typische Faxsignal hören; es kann einem auch passieren, dass Kinder am Apparat sind! Für solche Fälle fügt ai der Nummer manchmal einen entsprechenden Aufforderungstext bei, z.B. "Por favor, me da tono de fax", aber es ist i.a. unnötig, ihn zu verwenden. Das Faxgerät kann auch gerade schlicht und einfach anderweitig belegt sein, zum Beispiel in umtriebigen Präsidialbüros, besonders, wenn es dort die einzige stolze Errungenschaft dieser Art ist. Immerhin, ich habe schon  nach Nepal und Burundi (Zentralafrika) gefaxt, ohne dass es Probleme gab, und war darüber angenehm überrascht. Jedenfalls gibt es jede Menge plausibler Gründe, warum eine Verbindung nicht zustandekommt. Übrigens bedeutet die Ansage der Deutschen Telekom: "Kein Anschluss unter dieser Nummer" keineswegs in jedem Fall, dass die Nummer falsch ist, sondern nur, dass - aus welchen Gründen auch immer - keine Verbindung aufgebaut werden konnte.

"Welche Möglichkeiten gibt es, Petitionen trotz Übermittlungsproblemen zu verschicken?"

Leider nur wenige. Wenn mehrere Nummern angegeben sind, probieren Sie es bitte mit einer anderen. Manchmal hilft ein erneuter Sendeversuch mit derselben Nummer; dafür sind diejenigen Faxgeräte besonders geeignet, die bei Fehlverbindungen mehrfach und automatisch eine erneute Anwahl versuchen. Sie können auch probieren, den Brief durch "call by call" über eine andere Telefongesellschaft zu verschicken; dabei werden unter Umständen andere Übertragungswege benutzt. Bei schlechter Leitungsqualität kann es eventuell helfen, die Übertragungsgeschwindigkeit zu reduzieren, z.B. von 9600 bps auf 4800 bps. Wenn der Faxversand absolut nicht klappt, bleibt nur der Versand auf dem Postweg, besser per Luftpost.

"Bei der Vielzahl von Petitionen ist es nicht jedem Teilnehmer finanziell zumutbar, alle Appelle als Luftpostbriefe zu verschicken."

Das wird auch überhaupt nicht erwartet! Jede und jeder entscheidet selber, wieviel Post sie bzw. er verschickt. AI ist für jedes Engagement dankbar, auch das kleinste. Es stimmt schon, wer bei ai mitmacht, muss eine gewisse Bereitschaft zum Einsatz finanzieller Mittel und übrigens auch eine hohe Toleranzschwelle gegenüber Frustrationen besitzen. Aber man wird doch immer wieder entschädigt durch positive Meldungen, z.B. über die Verbesserung von Haftbedingungen, die erreicht werden konnten.

Etwaige Meldungen über zweifelhafte oder eindeutig falsche Informationen richten Sie aus dem oben genannten Grund bitte nicht an mich, sondern an die UA-Abteilung von AI in Bonn:

amnesty international, = UA-Abteilung =, Postfach, 53108 Bonn
Tel. 0228 - 9 83 73 - 310 oder - 311          Fax 0228 - 63 00 36
Email    ua-de@amnesty.de

Zwar kann ich die Quote erfolgreicher Faxübertragungen leider nicht steigern, aber ich hoffe, dass ich Ihnen das doch etwas begründen konnte, und danke Ihnen vielmals für Ihr Engagement!


2007-01-17                                                                          Wolfgang Gruhn