An wen sollen Petitionen verschickt werden?

Amnesty nennt in seinen UA-Berichten unter "Appelle an:" regelmäßig mehrere EmpfängerInnen, beginnend mit den höchstrangigen. Nach meiner Auffassung handelt es sich dabei um Auswahllisten und es ist nicht gemeint, dass man allen gleichzeitig schreiben müsse. Schon aus finanziellen Gründen würden sonst viele von uns wohl sehr schnell an ihre Grenzen stoßen. Ich wähle deshalb stets eine Adresse aus, wobei für das betroffene Land jeweils die Vorgeschichte zu berücksichtigen ist: Wenn ein Verantwortlicher bereits kurze Zeit vorher einen Appell erhalten hat, vielleicht noch wegen ähnlicher Verletzungen von Menschenrechten, dann vermute ich, dass ein erneuter Brief an ihn nicht sehr wirkungsvoll wäre. Deshalb führe ich über alle Petitionen genau Buch und wähle die Adressaten gezielt aus. Normalerweise schreibe ich nicht einem Verteidigungsminister, wenn es sich um politische Gefangene ohne Beteiligung des Militärs handelt. Bei Staatsoberhäuptern gehe ich davon aus, dass unsere Briefe - wenn überhaupt - an den zuständigen Minister weitergereicht werden. Ob Schreiben an Menschenrechtsminister sinnvoll sind, scheint mir zweifelhaft zu sein, weil der Verdacht naheliegt, dass dieser Posten manchmal lediglich eine Alibifunktion hat und der Abwehr von Appellen dient. Auch auf Kopien an die jeweilige Botschaft verzichte ich bewusst. Wenn mehrere EmpfängerInnen gleichlautende Texte bekommen, stellt sich die Frage, ob sich dann noch jemand für zuständig hält. Ich gehe davon aus, dass unsere Briefe dann am wirkungsvollsten sind, wenn sie in möglichst großer Zahl bei ein und demselben Verantwortlichen eingehen.

In diesen Fragen gibt es allerdings viele unterschiedliche Ansichten. Wählen Sie bitte selber diejenige Lösung aus, die Sie für die beste halten!


2004-10-25                                                                          Wolfgang Gruhn